Der Exorzismus der Emily Rose

Der Frage, ob sich ein katholischer Priester schuldig am Tod einer jungen Frau gemacht hat, an der er zuvor vergeblich einen Exorzismus durchführte, widmet sich der in unseren Kinos gestartete Streifen sfhhh"Der Exorzismus der Emily Rose". Dieser Hollywoodstreifen behauptet, auf einer wahren Begebenheit zu beruhen, welche sich in den 70ern im deutschen Klingenberg am Main zugetragen hat. Die 24- jährige Anneliese Michel starb dort im Jahr 1976 an den Folgen von Unterernährung und Entkräftung, nachdem sie jahrelang ein Krankheitsbild gezeigt hatte, welches wahrscheinlich eine Epilepsie mit begleitenden religiösen Wahnvorstellungen ( Wahn, Psychose ),war, die jedoch von der katholischen Familie und den zugezogenen Priestern als Besessenheit gedeutet wurde.
Diese zwei Priester, Pater Arnold Renz und Pfarrer Ernst Alt, überredeten Anneliese, ihre Medikamente nicht mehr zu nehmen und führten stattdessen einen Exorzismus nach dem so genannten "Rituale Romanum" an ihr aus, ein in der katholischen Kirche noch immer genehmigter Vorgang zur Austreibung von Dämonen.
Der Tod von Anneliese Michel, der mit den richtigen medizinischen Mitteln höchstwahrscheinlich zu verhindern gewesen wäre, führte zu einer Verurteilung der Eltern und der beiden Priester wegen "fahrlässiger Tötung durch Unterlassung" durch ein Gericht im Jahr 1978 mit einem Strafmaß von jeweils 6 Monaten, die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Bis heute wogt unter Christen und Gegnern des Exorzismus ein Streit, ob der Tod von Anneliese Michel zu vermeiden gewesen wäre, erstere gehen sogar soweit, das Opfer für eine Kandidaten zur Heiligsprechung durch die katholische Kirche zu sehen.

Der Film greift die damaligen Geschehnisse auf, mit geänderten Namen der Personen der wahren Begebenheiten werden die damaligen Geschehnisse in einer Mischung aus dramatischem Gerichtsthriller und Horrorfilm neu aufgerollt.
Die Darstellung der Besessenheit der Emily Rose ist angenehm klischeefrei und, man muß es sagen, auch sehr furcht erregend geraten- trotz des übermächtigen Vorbildes von William Friedkins kultigem Schocker "Der Exorzist" sieht man in diesem Film weder sich drehende Köpfe noch gespuckte grüne Erbsensuppe; stattdessen erlebt man in gefährlicher Nähe die Verzweiflung und die Wahnvorstellungen einer jungen Frau und was zu ihrem schrecklichen Tod führt.

Doch leider verweigert sich "Der Exorzismus der Emily Rose", ab einem gewissen Punkt des Films, in dessen Abgründe mit zugehen. Stattdessen bekommt der Zuschauer plötzlich eine Marienerscheinung zusehen, und ab diesem Punkt kippt der Streifen in Kirchenpropaganda um.

Zum anderen muß man wissen, das der zur Zeit amtierende Papst Benedikt das von Papst Pius im Jahr 1954 erweiterte, umstrittene "Rituale Romanum" nicht nur billigt, sondern im Sommer 2005 seine Genehmigung zu intensivierter Exorzismus- Ausbildung genehmigt hat, und das bedeutet, daß dieses als mittelalterliche Ritual in Italien und in vielen Ländern der dritten Welt nun wieder fröhliche Urständ feiert. Unter diesen Vorzeichen kann man die letzten 20 Minuten von "Der Exorzismus der Emily Rose" getrost als katholische Propaganda sehen, obwohl ja hin und wieder versichert wird, es handele sich ja nur um Möglichkeiten, nicht um Fakten.
Man wird sehen, wie der Film aufgenommen wird, seit dem Megaerfolg von der "Passion Christi" wissen wir ja, daß religiöse Filme anscheinend ein großes Bedürfnis der heutigen Menschheit zu sein scheinen, und auch "Der Exorzismus der Emily Rose" feiert in Amerika (wo sonst) bereits kräftigste Kassenerfolge.
Als nachdenklichen Abschluss möchten ich euch eine Aussage des Exorzismus Experten Pater Adolf Rodewyk nicht vorenthalten, der im Auftrag der katholischen Kirche die Vorwürfe rund um den Exorzismus an Anneliese Michel prüfte : "Sie können annehmen, dass es immer Fälle von Besessenheit gibt. Sie kommen wenig in die Öffentlichkeit, aber es läuft immer was." Und auf die Frage, ob es auch schon ähnliche Fälle mit tödlichem Ausgang gegeben habe, antwortete der Exorzist: "Ja, natürlich."

Da kann man nur noch sagen: Lasset uns beten...
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